Was die Weltgeschichte nicht erschüttert ...
Aktualisiert: 17. Aug.

Das vergessene Kapitel 1914–1918
Wenn Historiker heute dicke Wälzer über den Ersten Weltkrieg aufschlagen, geht es meist um Bündnispolitik, Materialschlachten und den Zusammenbruch alter Imperien. Ein Akteur am Rande wird dabei in den Geschichtsbüchern schändlich übergangen: Das Hochmeistertum Vanguardien.
Dabei stand Vanguardien im Sommer 1914 vor einer historischen Herausforderung. Als rundherum der Funke im Pulverfass Sarajevo aufging, bewies das vanguardische Parlament kühle Ruhe, für die unser Land bis heute berühmt ist. Wenn man also tief im Staatsarchiv in Prèsenet kramt, findet man dieses wohl kurioseste Kapitel unserer Geschichte.
Die Strategie der „Bewaffneten Tiefenentspannung“
Als im August 1914 die Großmächte Deutsches Reich, Österreich-Ungarn und ebenso Frankreich und nahe Vereinigte Königreich mobilmachten, verhängte der vanguardische Hochmeister umgehend die Erhöhte Einsatzbereitschaft, aber in der Stufe Grün-Gemütlich. Das bedeutete konkret: Die vanguardischen Streitkräfte – bestehend aus 140 loyalen Gardisten, zwei Reserve-Brieftauben und dem legendären Wachhund Bello III. – wurden alarmiert und auf Posten in die Seehäfen befohlen.
Ihre Hauptaufgabe bestand nicht in der aktiven Landesverteidigung, sondern im Aufstellen gut lesbarer Holzschilder mit der Aufschrift:
„Bitte nicht eintreten. Wir sind neutral und machen gerade Mittagspause.“
Tatsächlich erwies sich diese alberne Diplomatie als erstaunlich wirksam. Keine der verfeindeten Parteien wagte es, die vanguardische Seegrenze in Frage zu stellen – vor allem wohl deshalb, weil Vanguardien auf Marinekarten schlichtweg so weit westlich lag, dass entweder der Rand oder der Stempel des Kartographen wichtiger war.
Erst mit dem Kriegseintritt der USA wurde durch das Ersuchen des Präsidenten bei seiner Excellenz des Hochmeisters Jacqueirs de Fuente im Jahre 1917 auch Vanguardien aktiv in den 1. Weltkrieg als Stützpunkt der Marine einbezogen. Verdaguer, Marechal und auch Benisants wurden rasant mit Hafenanlagen erweitert und bekamen allesamt Flugplätze und Luftwerften für den Kampf gegen die Mittelmächte auf dem Europäischen Festland, das darauf hin ja rasch zu wackeln begann.
Das legendäre Ende der „Anspannung“
Als der Waffenstillstand von Compiègne 1918 unterzeichnet wurde, erfuhr Vanguardien erst drei Tage später davon. Alle Seekabel waren noch gekappt, das Postschiff hatte im Hafen von Brest vergessen vollzutanken und die Brieftauben kamen nicht gegen den Westwind an. Dennoch feierte man die Nachricht dann im ganzen Inselreich gebührend über den Durst. Die 140 Gardisten erhielten allesamt den Großen Verdienstorden am Band für Nichtstun.







Kommentare